Weihnachten 1813 – schreckliche Weihnacht in der Hansestadt

(Mystery News) Vor 204 Jahren fand in der Hansestadt eine schreckliche Weihnacht statt, die als „Grusel Weihnachten Hamburg 1813“ oder „Weihnachten 1813“ in die Geschichte einging und als ein sehr denkwürdiges Ereignis gilt. Im Jahr 1813 hatten Napoleons Truppen ganz Hamburg besetzt und verteidigten sie mit drastischen Mitteln gegen die anrückende russische Armee, die alles daran setzte, die Hansestadt zu erobern. Unter Befehl Napoleons sollten bis zum 1. Januar 1814 alle „unnütze Esser“ und damit 30.000 Menschen aus der Stadt vertrieben werden. Geplant war ein Ausbau zur Festung und dafür sollte alles eingestampft werden, um ein möglichst freies Schussfeld auf die Angreifer zu haben.

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Was geschah Weihnachten 1813 in Hamburg?

Ein paar Tage vor Weihnachten 1813 hatten die französischen Besatzer ein scharfes Ultimatum verabschiedet:
Jeder Bewohner, der keine Lebensmittelvorräte für ein halbes Jahr hat, muss Hamburg bis spätestens zum 21. Dezember 1813 verlassen haben. Von der Entscheidung eingeschlossen waren auch Handwerker, Lehrlinge und Bettler, die ebenfalls das Weite suchen sollen. Die Stadttore waren für den Auszug der „unnützen Esser“ von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Alle, die es wagten, zurück nach Hamburg zu kommen, wurden als Spione angesehen und erschossen.

Die Truppen Napoleons forderten die Bewohner zu einem schriftlichen Nachweis über ihre Lebensmittelvorräte auf. Zahlreiche Hamburger waren zum Anlegen von Notrationen nicht in der Lage, weil ihnen dafür einfach das Geld fehlte und sie quasi von „der Hand in den Mund“ lebten. Nicht nur die Bürger, sondern auch kleine Händler waren kaum dazu in der Lage, sich selbst zu ernähren.

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Nach den Vorgaben der Franzosen sollte der Vorrat aus folgenden Lebensmitteln bestehen:

– 250 Gramm Korn oder Mehl
– 170 Gramm Fleisch (3/8 Pfund)
– 125 Gramm Gemüse oder Hülsenfrüchte
– Ein kleines Glas Wein oder Branntwein
– etwas Salz
– Brennmaterial (Holz oder Torf)

Das Ultimatum der Franzosen wurde zwar wahrgenommen und etliche Bürger verließen auch die Stadt, doch der Großteil der „nutzlosen Esser“ verblieb in Hamburg. Die Zeitung „Mercur“ schrieb in ihrer Morgenausgabe vom Heiligabend 1813 über eine Fristverlängerung des Ultimatums. Am Abend des 24. Dezember 1813 sollten alle Bürger ohne ausreichende Lebensmittelvorräte die Hansestadt endgültig verlassen, ansonsten würden sie gewaltsam vertrieben. Jeder, der nicht von selber ging, der setzt sich der Gefahr von Stockschlägen aus und seine Möbel wurden beschlagnahmt.

30.000 Hamburger wurden aus ihrer Heimat vertrieben

Der Heiligabend 1813 war im Tagesverlauf von militärischen Aktivitäten gegen die Hamburger Bevölkerung gekennzeichnet. Ein halbes Dutzend prominenter Hamburger wurde dazu verpflichtet, gemeinsam mit den Soldaten Napoleons die Häuser der Reihe nach zu besuchen. Das Ziel dieser Aktion war es, jene Bürger herauszufinden, die nicht die geforderte Menge Lebensmittel bevorratet hatten. Am Abend begannen die Soldaten mit ihrer Arbeit, klopften an den Türen, warfen die Bewohner in der Weihnachtsnacht aus den Betten und trieben sie scharenweise durch die Straßen. Das Ziel war die bitterkalte St. Petri Kirche, die als Pferdestall zweckentfremdet war und über keine Sitzbänke verfügte.

Die Soldaten führten die Menschen von der Kirche zu den Stadttoren und überließen sie ihrem Schicksal. Alte Leute, Kinder, Erwachsene und junge Leute waren unter den Vertriebenen, die wegen zu knapper Zeit nicht passend gekleidet waren und in eisiger Kälte ausharren mussten. Die vertriebenen Bürger gingen überwiegend zurück in die Kirche, um zumindest ein wenig Schutz zu haben. Auch einige französische Soldaten waren mit dem Befehl ihres Marshalls Louis-Nicolas Davout nicht einverstanden und zeigen sich im höchsten Maße empört. Aus Sicht der heutigen Historiker war die Aktion der Franzosen überhastet und der Zeitpunkt war nicht gezielt ausgewählt, sondern wurde aus der Bedrohung durch die russische Armee geboren, die mit ihren Soldaten kurz vor den Toren Hamburgs stand.

Nach dem Bericht des französischen Kommandanten verließen am Heiligabend sowie dem ersten und zweiten Weihnachtstag insgesamt mehr als 15.300 Menschen die Hansestadt. Bis zum März 1814 hatten 30.000 Einwohner ihre Heimat verlassen, das entsprach damals der Hälfte der Hamburger Bevölkerung. Über tausend Flüchtende überlebten in der Kälte nicht und wurden in Massengräbern beerdigt.

Die Herrschaft Napoleons in Hamburg endete am 31. Mai 1814, nachdem er am 6. April 1814 abdankte und König Ludwig XVIII seinen Thron betrat. An Weihnachten 1813 erinnern noch heute zahlreiche Gedenksteine in Hamburg und den Nachbarstädten.

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Beitragsbild: © Depositphotos.com / wayne0216

Über den Autor Andreas Krämer

Andreas Krämer ist seit Winter 2002 als Texter mit seinem Schreibbüro aktiv. Er interessiert sich für technische, mysteriöse und wirtschaftliche Themen.

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